|
Männerbild mit Dame: Die Vätergruppen mit Kazim Erdogan (vordere Reihe 5. von links) ließen sich mit Elfriede Buben, Pressesprecherin vom Vereinssponsor Philip Morris, Staatssekretär Farhad Dilmaghani (rechts daneben) und Stadtrat Falko Liecke (3. von rechts) für die Anti-Gewalt-Kampagne auf der Emser Straße ablichten. Foto: Sylvia Richter
Männer gemeinsam gegen Gewalt
Aufbruch Neukölln startet Kampagne und Telefonhotline
Neukölln: Mit der Frage, wie sich Gewalt präventiv eindämmen lässt, hat sich der Psychologe Kazim Erdogan als Vorsitzender des Vereins Aufbruch Neukölln in seinen türkischen und multinationalen Vätergruppen seit Jahren beschäftigt. Als Ergebnis dessen gibt es jetzt eine Anti-Gewalt- Kampagne und eine Telefonhotline.
Aydin Bilge hatte vor vier Jahren noch erhebliche Probleme. Der 41-Jährige wurde nach der Trennung von seiner Frau alleinerziehender Vater. Bald wurde er auch noch arbeitslos und stand schließlich vor schier unlösbaren Problemen. Er war aggressiv und depressiv. Hilfe fand er schließlich in der ersten türkischen Vätergruppe, die es überhaupt in Deutschland gab. Kazim Erdogan, Psychologe und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Aufbruch Neukölln e. V. hatte sie gegründet.
„Hier habe ich mich endlich aussprechen können und erfahren, dass andere Männer Ähnliches erlebt haben“, erzählt Aydin Bilge, der inzwischen Kiezvater in Neukölln ist. Er sucht Schulen, Kitas und öffentliche Plätze auf, versucht dort Kindern und Jugendlichen die Orientierung zu geben, die sie oft nicht mehr haben. Dabei trägt er seit wenigen Tagen stets ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Männer gegen Gewalt“. 2000 Stück gibt es von diesen T-Shirts nun, die in der ganzen Stadt verteilt und getragen werden sollen.
Menschen sensibilisieren
Initiiert wurde die gleichnamige Kampagne, der noch weitere Aktionen folgen sollen, von Erdogans Vätergruppen und dem Verein Aufbruch Neukölln. Die T-Shirts spendete ein unbekannter Sponsor. „Wir wollen die Menschen für dieses Thema sensibilisieren und zeigen, dass Gewalt nicht angebracht ist“, erklärte Erdogan, als er das Projekt am 14. Mai im Creatic-Centrum Neuköllner Leuchtturm, Emser Straße 117, vorstellte.
Gleichzeitig läuft nun auch eine Telefonhotline an. Männer der Vätergruppe beraten gewalttätige Männer anonym in Konfliktsituationen telefonisch auf Deutsch oder Türkisch. „Betroffene wissen selbst am besten, wie man mit Männern in so einer Situation redet“, weiß der studierte Psychologe Kazim Erdogan. Der Erstkontakt soll den Betroffenen zunächst helfen, sich zu beruhigen, gleichzeitig soll damit der Weg zur Beratung und zu den Vätergruppen geöffnet werden. Sechs verschiedene Telefonhotline-Nummern sind im Wechsel 24 Stunden täglich erreichbar. Alle Beratenden leisten diesen Dienst ehrenamtlich, auch Aydin Bilge.
„Wir müssen für die Menschen da sein und ihnen zeigen, dass wir Friedensbotschafter sind“, findet der Kiezvater. Farhad Dilmaghani, Staatssekretär bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Frauen und Integration, lobte beide Projekte als „wichtiges politisches Zeichen, das aus der Community kommt“.
Auch Falko Liecke (CDU), Neuköllns Stadtrat für Gesundheit und Jugend, war voll des Lobes angesichts der Tatsche, dass die Projekte „ein Tabuthema aufgreifen“. syri
Originalbeitrag
Hinweis: Das Projekt wird unterstützt von:

|